Mündlichen Überprüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie in Karlsruhe 01/2010
Gedächtnisprotokoll Prüfung Karlsruhe am 13.01.2010
Zusammenfassung: 3 Prüferinnen
Atmosphäre sehr wohlwollend und fair. Pünktlicher Beginn.
Dauer: Insgesamt ca. 30 Minuten
Nach der freundlichen Begrüßung und einer kurzen Befragung zu meinem Praktikum ging es los:
Erster Fall : Junge Frau kommt zu ihnen in die Praxis. Sie hat sich vor ca. 1 Jahr von
ihrem Freund getrennt. Sie erzählt, dass sie völlig fertig ist und nicht mehr weiter weiß.
Er verfolgt sie und beschattet sie und versucht ihr ständig zu erzählen, dass es doch so schön war und sie es doch nochmal probieren sollten. Auf Ablehnung reagiert er mit Gewalt. Einmal musste sogar schon mal die Polizei kommen. Er tut ihr ja auch leid, aber sie will ihn halt nicht mehr.
Frage: Was liegt hier vor und was machen sie?
Antwort: Stalking, intermittierende Verstärkung hält das Stalking aufrecht,
Kompetenztraining um sich abzugrenzen, Polizei, Notfall und Krisenplan.
Verhaltensmuster bei Ihr analysieren und verändern durch VT.
Zweiter Fall: Junge Frau, 2. Semester kommt zu ihnen in die Praxis. Sie kann nur noch schlecht zur Uni, weil sie im sozialen Bereich immer aneckt. Sie wäre Impulsiv und könnte dieses auch schlecht kontrollieren. Sie schneidet sich um Entspannung zu erlangen und sich zu fühlen. Sie hat wechselnde und schwierige Partnerschaften, vor allem in sexueller Hinsicht. Sie hat eine schlechte Beziehung zu den Eltern. Sie sei mit 14 vom Nachbar vergewaltigt worden und die Eltern hätten es einfach so hingenommen und sie im Stich gelassen. Seit dem ist die Beziehung zu den Eltern extrem gestört. Die Erinnerungen der Vergewaltigung holen sie immer noch ein.
Fragen: Was liegt hier vor, was machen sie, wie gehn sie vor?
Antworten: ausführliche Anamnese, Psychp.Befund. ;; DD abklären; Borderline und PTBS Therapie: Entweder DBT ( erklärt was das ist) oder ( die Amtsärztin fragte was ich denn tun würde, wegen der langen Wartezeit bei DBT ) in kleinen Schritten, behutsam Kognitiv -VT im Hier und Jetzt arbeiten. Nicht aufdeckend ( wegen Trauma ) . Tagebuch schreiben, Kompetenztraining u.s.w.
Dritter Fall: Lehrer 50 , kommt zu ihnen in die Praxis. Er kann seit ca. 1 1/2 Jahren nicht mehr Unterrichten. Er geht nicht mehr aus dem Haus( nur noch mit seiner Frau) , traut sich nicht Auto zu fahren . Er hat alles Körperliche abgeklärt. Da er ja nicht dumm sei, hat er sich belesen und da war klar er hat eine Panikstörung. Es sei zwar schon besser geworden, aber er will das alles wieder so ist wie früher. Er ist ein sehr perfektionistischer Mensch.
Fragen: Was tun sie? Was liegt vor? Wo kommt es her?
Antworten: komplette Anamnese ( nur weil er sagt er hat eine Panikstörung, heißt das noch lange nicht das er eine hat) ; DD abklären.
Die Amtsärztin berichtet: Er hat eine Panikstörung. Wie gehe ich therapeutisch vor?
Aufklärung über Angst-Teufelskreis; willentliche verursachte Körperveränderungen ( z.B. schnell die Treppe laufen- schneller Atem oder in die Hand atmen.....)
Entspannungstraining ( Nein, das will der Klient nicht!! ) Ok, dann Expositionsverfahren
ohne Entspannung. Erklärung des Angstschema, warum Exposition ( Habituation,
Gegenkonditionierung ) und KVT.
Ursache der Störung: Hinweis in der Beschreibung auf eine evt. anankastische Struktur.
Ich frage nach dem Verhältnis zu den Eltern, wie ist er erzogen. Eine strenge Erziehung und Lob nur wenn alles richtig gemacht wurde kann eine solche Struktur begünstigen.
Dann langt ein kleiner Trigger im Hier und Jetzt und die erste Panikattacke wird ausgelöst.
Familiäre Vorbelastungen sind auch noch abzuklären.
Welche Medikamente empfehlen sie? Keine, denn ich darf das nicht als HPP. Was würde man allgemein empfehlen? Bei einer reinen Panikstörung ohne Komorbidität wie z.b.Depression eher keine Medikamente, denn die wären ja schon wieder ein
Vermeidungsverhalten. Richtig!
Herzlichen Glückwunsch!
Fazit: Danke an das Prüfungsteam in Karlsruhe. Es war keine ICD -10 Abfragung, sondern wie gehe ich mit den Klienten um, mit realistischen Fällen die mich gezwungen haben, mal einen Schritt zurück zu gehen und logisch nachzudenken außerhalb der Bücher. ( siehe Stalking-Fall , das habe ich nämlich nicht gelernt!! ) Ich schreibe hier nicht, wieviel oder wenig ich gelernt habe, weil mich die Berichte über die Lernfrequenz ( z.B. 1 Jahr lang rund um die Uhr ) meist irritiert und verunsichert haben.
Danke auch an Norman für die Ausbildung und Steffi für die tolle Unterstützung über die Dauer-Skype-Befragungs-Flatline. Danke vor allem an meine Familie , die mich die letzten 3 Jahre ohne Ende unterstützt und ertragen haben;-)
Viel Erfolg an alle die es noch vor sich haben.
Liebe Grüße
Mona