Mündlichen Überprüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie in Tübingen 04/2010
Gedächnisprotokoll der mündlichen Überprüfung in Tübingen 04/2010
Mein Termin war um 11.15 Uhr im Landratsamt in Tübingen.
Es war eine sehr freundliche und wohlwollende Atmosphäre.
Anwesend waren ein Vertreter der Heilpraktikerschaft, eine Amtsärztin und eine Psychologin.
Alle stellten sich kurz vor und danach sollte ich kurz darlegen welche Ausbildungen ich habe und was mich motiviert die Überprüfung zu machen.
Die Psychologin stellte daraufhin die Fragen.
Zuerst ein Fall:
Ein Autofahrer fährt mit seiner Familie auf der Autobahn und kollidiert mit einem Geisterfahrer. Dank seines sicheren Wagens haben alle Insassen überlebt und waren nur leicht verletzt (Knochenbrüche). 3 Wochen später in der REHA bekommt der Patient folgende Symptome: Schreckhaftigkeit, Schwitzen, Zittern, Schlafstörungen, Alpträume, Konzentrationsprobleme. Welche Diagnose würde ich stellen und warum.
Posttraumatische Belastungsstörung, da der Unfall ein lebensbedrohliches Erlebnis war.
Welche Frage würde ich noch stellen um die Diagnose abzusichern?
Ob diese Symptome auch schon einmal vor dem Unfall aufgetreten sind oder erst danach.
Wie würde ich diesen Patienten therapieren?
Ich würde ihn zu einem ausgebildeten Traumatherapeuten schicken und selbst nicht aufdeckend arbeiten. Ich würde den Patienten über diese natürlichen Reaktionen nach einem belastenden Erlebnis aufklären (Psychoedukation), könnte Entspannungstraining anbieten, Stressbewältigungskompetenzen fördern, unterstützend und begleitend arbeiten. Zum Beispiel um Konflikte in Beziehungen, die sich aufgrund seiner persönlichen Veränderung in der Beziehung ergeben.
Wie genau würde eine solche Konfliktbewältigung aussehen?
Zum Beispiel durch Kommunikationstraining.
Gut, auch wenn ich nicht selbst Traumatherapie anbiete, was wird in der Traumatherapie gemacht, mit welchen Methoden wird gearbeitet?
EMDR, Klopftechnik um Ängste die sich körperlich manifestieren aufzulösen.
Verhaltenstherapeutisch durch systematische Desensibilisierung bis hin zur direkten Konfrontation und den Unfallort wieder aufsuchen.
Was würde ich in den ersten zwei Sitzungen bei einem neuen Patienten machen?
Anamnese und psychopathologischer Befund erstellen. Ich zählte alles auf was ich gelernt hatte. Zwei Sachen hatte ich vergessen, Intelligenz und Konzentrationsfähigkeit.
Was sind Wahrnehmungsstörungen? Wie unterscheidet man Denkstörungen?
Wie kann ich zu zusätzlichen Informationen kommen?
Fremdanamnese, Ärztliche Befunde.
Was noch? Ich stand auf dem Schlauch?
Ob ich schon mal was von Tests gehört hätte. Na klar, Inventare.
Welche Inventare ich denn kennen würde?
Persönlichkeitstests, Becks Depressionsinventar, MMST-Test....
Woran würde ich erkennen, dass ich einen Patienten nicht therapieren darf?
Psychotischen Symptomen und zum Beispiel eine endogene Depression, da hier Pharmakotherapie nötig ist.
Welche Klassifikationssysteme gibt es?
Triadisches System, ICD10, DSM4, Ich erklärte noch dazu die Unterschiede.
Woran erkenne ich heute im ICD10 die frühere endogene Depression?
Am Morgentief und am phasischen Verlauf
Bei welchen psychischen Erkrankungen stehen körperliche Symptome im Vordergrund?
Lavierte Depression, Somatisierungsstörungen, somatoforme Schmerzstörung, hypochondrische Störung, psychosomatische Erkrankungen. Ich habe zu allen Erkrankungen Genaueres dazu erzählt.
Wie würde ich eine Somatisierungsstörung therapieren?
Wichtig den Patienten mit seinen Beschwerden ernst nehmen, Schmerztagebuch führen, Kognitive Therapie erklären, Kognitives Umstrukturieren, Entspannungstraining, Stressbewältigung, Sozialkompetenz fördern, Konfliktbewältigung.....
Zu mir kommt ein Patient und berichtet er möchte nicht mehr leben. Er habe zu Hause bereits alles für seinen Selbstmord vorbereitet. Wie würde ich vorgehen, in welchem Stadium befindet sich der Patient.
Ich erkläret die verschiedenen Suizidstadien und ich würde den Patienten nicht mehr nach Hause gehen lassen, ihn zum stationären Aufenthalt überreden, Angehörige informieren, beim Sozialpsychiatrischen Krankenhaus anrufen und mit dem diensthabenden Arzt sprechen, der dann einen Krankenwagen schickt.
Was würde ich tun wenn der Patient nicht einwilligt?
Polizei und Notarzt rufen.
Was darf ich als Heilpraktikerin für Psychotherapie nicht therapieren?
Organische Psychosen, Psychosen, Schizophrenie, Demenz....
Was noch?
Trotz Hilfestellungen wie ich solle mal an F1 im ICD10 denken, kam ich nicht darauf.
(Ich hatte einen kurzen Blackout)
Suchterkrankungen!
Warum darf ich Sucherkrankungen nicht behandeln? Entzugssymptome zum Beispiel Delier.
Woran erkenne ich eine Sucht?
Verlangen nach der Substanz, Toleranzentwicklung, körperliche Entzugssymptome, Interessenverlust, alles dreht sich nur noch um dien Substanzkonsum.
Was noch? Ich hatte den Kontrollverlust vergessen.
Woran erkenne ich den Unterschied zwischen Sucht und Missbrauch?
Beim Missbrauch ist der Patient zur langfristigen Abstinenz fähig.
Dann waren 30 Minuten vorbei und ich wurde kurz nach draußen geschickt.
Als ich wieder hereingebeten wurde haben sie mir zur bestanden Prüfung gratuliert.
Wenn man gut vorbereitet ist, ist die Überprüfung in Tübingen zu schaffen.
Sie sind sehr freundlich, helfen einem auf die Sprünge wenn mal was fehlt. Aber ich hatte den Eindruck durchmogeln kann man sich nicht, es wurde dann schon genauer nachgefragt.