2021/05 Karlsruhe



Gedächtnisprotokoll meiner mündlichen HPP-Prüfung am 07.05.2021 - Gesundheitsamt Karlsruhe

 

AA = Amtsärztin, Frau Dr. van den Hooven

 

PP = Psychologischer Psychotherapeut (den Namen weiß ich nicht mehr)

 

HP = Heilpraktikerin, Frau Herbst (hat nichts gesagt; hat Protokoll geschrieben)

 

 

Ich möchte vorab sagen, dass ich bereits ein Therapieverfahren erlernt habe (ca. 700 Std.), an vielen Stunden Gruppen-Supervisionen teilgenommen habe, über Selbsterfahrung verfüge und bereits praktische Erfahrungen im Beratungsbereich sammeln konnte. 

Ich glaube, all das hat die Prüfer bereits im Vorfeld sehr wohlwollend gestimmt.

 

Ich wurde pünktlich hereingebeten. Alle drei waren sehr nett zu mir. 

 

Die Amtsärztin meinte als erstes, sie hätte sich mit Interesse meine Unterlagen angeschaut.

Sie fragte mich kurz zu einem Thema, das ich in meinem Lebenslauf angegeben hatte (hier nicht relevant).

 

Sie fragte dann kurz, was ich nach der Prüfung machen wolle.

 

Ich: Weiter und vertiefend mit Paaren arbeiten und als zweites Standbein auch mit Einzel-Klienten therapeutisch arbeiten. - Das reichte hierzu schon.

 

Dann sagte mir die AA, dass wir jetzt 30 Minuten Zeit hätten und sie mir einen Fall schildern würden.

Im Anschluss daran solle ich eine Diagnose erstellen und ihnen sagen, was ich in den ersten fünf Stunden mit diesem Klienten machen würde.

Ich durfte mir Notizen machen.

 

Der PP schilderte mir nun ruhig und langsam den Fall:

 

-       junger Mann, 20 Jahre. Er ist nicht so zufrieden, lebt bei den Eltern und ist auf den Anstoß der Eltern zu mir gekommen. Die Eltern warten draußen im Auto.

 

-       Vor ein paar Jahren hat er den Realschul-Abschluss gemacht. Autos haben ihn schon immer interessiert und deshalb hat er eine Kfz-Mechaniker-Ausbildung angefangen. Nach 3 Monaten hat ihm das weniger Freude gemacht und er brach die Ausbildung ab.

 

-       Er hing dann so durch. Auf Drängen der Eltern hat er ein freiwilliges soziales Jahr gemacht. Das war aber auch nicht das Richtige für ihn; er musste hierbei z.B. früh aufstehen.

 

-       Seitdem „dümpelt“ er zu Hause rum, verbringt viel Zeit vor dem PC, ist viel online. Macht wenig mit Freunden, hat auf nichts richtig Lust. Mit den Eltern gibt es immer wieder Schwierigkeiten. 

 

 

PP: Das sind ja jetzt noch nicht so viele Informationen. Was würden Sie denn noch erfragen wollen?

 

 

Ich: Also anhand der bisher geschilderten Symptome ist für mich ein körperlicher Notfall nicht erkennbar. (stimmte)

 

Ich: Er müsste beim Allgemeinarzt abklären lassen, ob körperlich alles in Ordnung ist.

 

       Dann habe ich nach Alkohol-Konsum gefragt.

 

 

PP: Früher hat er am Wochenende viel Alkohol getrunken, auch mal zu viel.

 

Ich: Und wieviel trinkt er jetzt?

 

PP: Ja, so ein bisschen. 2 - 3 Bier an zwei Tagen die Woche. Aber er kifft.

 

Ich: Exploriere das Kiffen und frage noch nach Medikamenten und anderen Drogen

 

 

PP: Früher hat er Amphetamine genommen und Ecstasy. Das nimmt er jetzt nicht mehr.  

      Jetzt kifft er. Er raucht 2 - 3 Bongs am Tag - seit er 16 ist. Und mit den Mädels klappt es

      auch nicht. Und mit seinen Eltern ist es stressig.

      Nachts ist er wach, morgens schläft er lange. Seine Stimmung ist mies. Aber wenn er

      eine Bong geraucht hat, geht es ihm gut.

 

 

Ich frage nach Suizidalität (anhand von praktischen Fragen).

 

PP: Nein. Suizidal ist er nicht. à Ich sollte dann anfangen zu diagnostizieren.

 

Ich: Ich denke an ein Amotivations-Syndrom bei Cannabis-Abhängigkeit und habe noch kurz die 6 Abhängigkeitskriterien geprüft. (stimmte)

 

Dann bin ich weitergegangen zur depressiven Episode: Habe wieder alles mit praktischen Fragen erfragt.

 

3 Hauptsymptome der Depression wurden bejaht und ein paar Nebensymptome. Ich habe daher eine mittelschwere depressive Episode angenommen. ( fanden sie gut.)

 

 

 

Habe noch kurz Dysthymia angesprochen und Zyklothymia - da es ihm nach Auskunft des PP schon seit 1,5 Jahren nicht gut ginge.

 

Ich wollte noch weitere Differentialdiagnosen prüfen - das reichte aber schon.

 

 

AA: Angenommen, er entscheidet sich, zu Ihnen zu kommen – wie viele Stunden würden Sie veranschlagen?

 

Ich: Ich würde 30 - 40 Stunden annehmen, da bei dem jungen Mann einige Themen zu bearbeiten sind.

 

AA: Ja, soviel braucht man. Es ist wichtig, dass die Leute das vorher wissen. Sonst fangen sie vielleicht eine Therapie an und irgendwann haben sie nicht mehr genug Geld und sie können sich die weiteren Stunden finanziell nicht mehr leisten.

 

 

AA: Jetzt wenden sich die Eltern an Sie und möchten gern wissen, wie viele Stunden Sie veranschlagen. Die Eltern zahlen ja die Therapie. Der junge Mann hat ja gar nicht die finanziellen Mittel dafür.

 

 

Ich: Das darf ich den Eltern nicht sagen, denn ich habe eine Schweigepflicht. (AA nickt.) Ich kann das nur mit dem jungen Mann selbst besprechen - und er hat dann seinerseits die Möglichkeit, sich darüber mit seinen Eltern auszutauschen, wenn er das möchte.

 

 

AA: Und was machen Sie mit ihm?

 

 

Ich: Wegen der Cannabisabhängigkeit würde ich mit ihm die kurz- und langfristigen Vor- und Nachteile des Cannabis-Konsums erörtern und mit ihm besprechen, was ein fortdauernder Konsum für Auswirkungen auf sein weiteres Leben - vor allem auch im Hinblick auf seine berufliche Zukunft bedeuten würde.

Ich würde also versuchen, ihn zu einer Therapie der Abhängigkeit zu motivieren.

Und würde ihn zu einer Drogenberatungsstelle schicken. (damit waren sie zufrieden)

 

Und hinsichtlich der depressiven Episode würde ich engmaschig die Suizidalität im Auge behalten und das auch immer wieder abfragen.

 

Ich würde versuchen, ihm wieder Hoffnung zu machen, indem ich mit ihm mögliche Zukunftsperspektiven erarbeite.

 

Problemlöse-Training, was z.B. die Konflikte mit seinen Eltern betrifft.

 

Da er sich ja schon immer sehr für Automotoren interessiert hat, würde ich mit ihm gemeinsam schauen, ob er vielleicht nochmal eine Ausbildung in einer anderen Autowerkstatt anfangen möchte oder vielleicht in einem Automuseum…

 

Was ihn im Leben interessieren oder sogar faszinieren könnte…

 

Wie es mit ihm beruflich weitergehen könnte.

 

—> Das reichte den Prüfern schon. 

 

 

AA: Im Laufe der Therapie nimmt die Suizidalität zu. Was machen Sie dann?

 

Ich: Ich exploriere das genau (sprach kurz Ringel: Einengung, Aggressions-Umkehr, Suizidfantasien und die drei Phasen von Pöldinger an).

 

Wieder alles anhand von praktischen Fragen:

 Eher passive Todeswünsche (morgens nicht mehr aufzuwachen) oder überlegt er, ob er selbst etwas dazu tun kann - ob er sich z.B. vor einen Zug legen sollte oder irgendwo runterspringen…

 

—> Der junge Mann befand sich hier im Fall nun im Ambivalenz-Stadium.

 

- Risikofaktoren abklären: Suizid im Umfeld, vorheriger Suizidversuch; isoliert lebt er nicht - er wohnt ja noch bei seinen Eltern.

 

- Ressourcen erfragen: Was könnte ihn im Leben halten? Welche Zukunftswünsche hat er?

 

- Krisenintervention: engmaschige Termine, Antisuizidvertrag, Krisenkoffer (mit Telefonnummern des hiesigen Klinikums, seiner Freunde, schöne Musik, Erinnerungsfotos, aufgeschriebene Zukunftspläne, …)

 

 

Ich dachte, es geht jetzt weiter, z.B. in Richtung zwangsweise Unterbringung - aber dann meinte die AA, sie hätten keine weiteren Fragen.

 

Ich sollte kurz rausgehen und wurde dann wieder hereingebeten mit den Worten: Wir gratulieren Ihnen erstmal. :-) :-) :-) – Ich habe bestanden!!