Mündliche Prüfung mit integriertem Stresstest Dauer ca. 45min
Karlsruhe 36°C- die Frisur sitzt :D. Ich wurde mit ca 8min Verspätung vom Amtsarzt in das Zimmer begleitet. Das Zimmer war für Corona Verhältnisse sehr klein, dazu wurde rund um das GA Rasen gemäht - es war relativ laut. Die Prüfer saßen an L-förmig aufgestellten Tischen mit Plexiglas-Abtrennungen zu mir hin, alle trugen Masken. Für mich stand an der langen Seite des Ls ein Stuhl ohne Tisch, so dass ich gegenüber der Dr.s saß.
Die zwischenmenschliche Atmosphäre war nicht unfreundlich, aber eher zurückhaltend neutral. Alle Prüfer haben mitgeschrieben, egal wer mich gerade geprüft hat.
Anwesend war eine Heilpraktikerin, die (nur) protokolliert hat, Amtsarzt Dr.Hoff (Dr.H) und Fr.Dr Groß (Dr.G), eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychologie, glaube ich.
Dr.H kurze Vorstellung und Ablauf.
- Was haben sie früher beruflich gemacht? Ich war etwas verdutzt- ich arbeite schon seit über 20J nicht mehr in dem Beruf. Er hat für mich geantwortet und ich habe ihn ergänzt.
- Mit welchem Verfahren arbeiten sie, warum wollen sie die Heilerlaubnis? Ich habe es erklärt. Systemisch und warum ich die Heilerlaubnis möchte. Hier hat er nach einigen Sätzen das Gespräch abgekürzt.
Ich hatte in einem Protokoll hier gelesen, dass es in KA vorkommt, dass die Prüfer ins Wort fallen und dachte nur: „Alles klar- dann kommt bestimmt auch noch das Zeit- Argument.
Dann wurde mir von Dr.G ein Fall geschildert. (Ich kürze hier ab)
Student 21 J, 2019 aus Guatemala nach BRD gekommen
Ehrgeizig- will Eltern stolz machen. Derzeit: Schlafstörungen, schlapp, lustlos, Dinge, die Freude gemacht haben, machen keinen Spaß mehr, unwohl in Gruppen, sozialer Rückzug. War beim Arzt- Schlaftablette- haben Schlaf verbessert, die anderen Symptome nicht.
VD, DD und wie ich mit ihm arbeiten würde
Ich habe mir Stichworte notiert und sie hat auch so gesprochen, dass mir das gut möglich war.
Ich fing an: „Mir stellt sich ein 21- jähriger Student vor…“ Da fiel mir Dr.H ins Wort und meinte: „Wir haben wenig Zeit , beschränken Sie sich auf die wesentlichen Symptome.“ (Aha- das Zeitargument)
Ich habe dann differentialdiagnostisch Suizid, organische Ursachen, Substanzmissbrauch, psychotische Symptome und andere affektive Differentialdiagnosen durch Fragen erarbeitet.
Dr.G hat mir neutral zugehört und hat genickt oder den Kopf geschüttelt, wenn ich nachgefragt habe und immer wieder nachgehakt, unterbrochen oder mich kommentiert. Jetzt sehe ich, dass sie mir mit den Fragen auch helfen und Struktur geben wollte- ihre neutrale Haltung hat mich irritiert.
Ich kam zu dem Ergebnis, dass ich sowohl eine leichte Depression als auch eine Anpassungsstörung in Betracht ziehen würde.
Sie hat noch weiter nachgehakt und dann nach meinem Therapieplan gefragt.
Ich fing an mit: „Das Formale, denke ich, habe ich schon geklärt…“ Dr.H wieder von der Seite- Zeitargument.
Ich nannte Psychoedukation, Sorgen- Kreis, ein Tagebuch für positive Erfolge, Charakterstärken, Genogramm mit Ressourcen. Ich habe es auch immer in den Kontext seiner Herkunft gesetzt.
Die Wunderfrage, damit er ein Ziel formulieren kann (habe ich anhand der Tür erklärt). Statt Entspannung, denke ich, es wäre passender, wieder in Bewegung kommen.
„Keine Schlagworte- wie gehen sie genau vor“.
Ich habe dann die ressourcenorientierte Sinnlinienarbeit erklärt (ohne Unterbrechungen!)
- Gegen das Unwohlsein in Gruppen? Mit anderen drüber reden- diese mit einbinden.
- Und die Schlafstörungen? Schlafphasen erklären, ggf Schlaftagebuch, eben entsprechend seiner Kultur.
Danach hatte Dr.H noch sogenannte Master Fragen an mich- hier waren dann Schlagworte gefragt.
1. Welches Entspannungsverfahren für diesen Studenten? Ist ein sportlicher Mensch – von daher eher PMR.
Wie genau kommt die entspannende Wirkung der Progressiven Muskelentspannung zustande. Leere in meinem Gehirn. Ich habe irgendwas von geführter Anspannung und Sympatikus und Parasympatikus gesagt… Dr.H hat es mir dann erklärt.
2. Nebenwirkung der Psychotherapie, was ich relativ gut beantworten konnte. Dass der Pat mit mir nicht klarkommen könnte, hätte ich nicht als NW eingeordnet.
3. Was Dissoziation ist. Ich habe gesagt, dass diese Störungen in der ICD-10 im Kapitel F4 zu finden sind- „Das ist nur eine Zahl- was genau ist das?“ Ich habe die einzelnen Erscheinungsformen genannt- die genaue Definition war weg- sie fiel mir erst heute ein.
Er wollte genau wissen wie ich mit einem Patienten umgehe, der im Gespräch dissoziiert. Darauf konnte ich gezielt und gut antworten, weil ich auch eine Traumabegleiter- Ausbildung habe.
Nachdem nun keiner mehr Frage an mich hatte, wurde ich hinaus gebeten. Ich war inzwischen auch völlig neutral gestimmt und hatte kein Gefühl dafür, ob ich bestanden habe oder nicht.
Nach einer kurzen Zeit wurde ich wieder rein gebeten. Auf die Frage, wie ich die Situation einschätzen würde, habe ich gesagt: „Ich finde ich habe mich ganz tapfer geschlagen.“
Dr.H: Fallbeispiel war ganz okay, der Teil mit der progressive Muskelentspannung war schwach und das andere war auch in Ordnung.
Man habe gemerkt, dass ich nicht nur so einen Halbjahreskurs gemacht hätte und mich schon länger damit beschäftigt hätte.
Und dann meinte er (tatsächlich): Sie haben bestanden.
Mir fiel dann nichts anderes mehr ein, als mich zu freuen, zu bedanken und zu gehen.
Fazit: Für mich hat es sich bewährt von Anfang an auf die mündliche Prüfung zu lernen und mit LernpartnerInnen zu reden, reden, reden. Im Endspurt habe ich mit einer Kollegin ganz gezielt an den Therapieplänen gefeilt.