Gedächtnisprotokoll Solingen Mai 2022
Der Rahmen:
Es haben 2 Prüfer*innen geprüft, denn unter Corona-Bedingungen wird in Solingen auf den 3ten Prüfer derzeit verzichtet
1. Ein Psychiater
2. Eine Heilpraktikerin Psychotherapie, die in der Klinik arbeitet
Durch die hohen Hygieneauflagen war das Setting etwas ungünstig - wir saßen getrennt von 2 Tischreihen und einer Plastiktrennwand etwa 2.5-3 Meter auseinander und haben alle 3 Maske getragen - dass hat den Gesprächsverlauf etwas gehemmt, da man durch die Spiegelung in der Scheibe auch nur sehr schlecht die Mimik des anderen erkennen konnte. Aber die Prüfungskommission hat sehr beruhigend durch die Prüfung geleitet und auch den Umständen etwas Rechnung getragen, so dass Fragen wiederholt wurden und wahrscheinlich auch eher nochmal nachgefragt wurde - denn auch die Prüfer*innen sind in der Situation eingeschränkt.
Zunächst wurde formal die Prüfung erklärt, gefragt, ob ich mich prüfungstauglich fühle und ob ich einverstanden bin, dass die Prüfung per Miko aufgezeichnet wird. Es lag Papier und Zettel auf dem Tisch bereit, so dass man sich Notizen machen konnte.
Geprüft wurden von jedem Prüfer 15 Minuten - also insgesamt 30 Minuten.
Wichtig noch zu wissen - in Solingen erhalten die Prüfer vorab keinerlei Angaben zu dem Prüfling (keinen Lebenslauf, keine Informationen über den Vorberuf) um eine Gleichbehandlung aller Prüflinge sicher zu stellen.
Die ersten 15 Minuten hat die Heilpraktikerin die Prüfungsfragen gestellt:
1. Welche Rechte und Pflichten haben Sie als Heilpraktiker und in welchen Gesetzestexten steht das verankert.
Hier wollte Sie die wichtigen Punkte der Berufsordnung hören und auf welchen rechtlichen Rahmenbedingungen die Überprüfung beim Gesundheitsamt beruht.
Weiter ins Detail hat sie dann bei einigen einzelnen Punkten gefragt:
2. Erläutern Sie den Unterschied zwischen der Schweigepflicht eines Arztes und der Schweigepflicht eines Heilpraktikers
3. Welche Pflichten ergeben sich aus der DSGVO / Datenschutz
4. Welche Pflichten ergeben sich aus der Sorgfaltspflicht - hier wollte sie auch das Medizinproduktegesetzt hören zur Eichpflicht
5. Was regelt ein Behandlungsvertrag - und auf welchem rechtlichen Rahmen beruht dieser.
Danach hat der 2. Prüfer übernommen:
1. Erzählen Sie mir etwas zum Symptom Angst - in welchen Erkrankungen kommt Angst vor
2. Ich gebe Ihnen mal einen Fall:
Ein Rettungssanitäter kommt zu ihnen und berichtet, dass er nach einer missglückten Säuglingsreanimation schlecht schlafen kann und immer wieder an den Vorfall denkt.
Genannt werden sollte hier:
- Nachfrage nach Zeitkriterium (wie lange liegt der Vorfall zurück) Ich war nämlich direkt mit Suizidalität eingestiegen und wurde quasi ausgebremst mti der Frage "Muss ein solcher Vorfall in jedem Fall zu einer Erkrankung führen" - hier ging es also erstmal um eine akute Belastungsreaktion. Kurz dargestellt werden sollte in Abgrenzung zueinander:
- akute Belastungsreaktion
- Anpassungsstörung
- Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion
- PTBS
3. Zur PTBS wurde dann die Definition, die Trias und die Symptomatik und das Zeitkriterium abgefragt. Ich bin hier etwas ins Strudeln gekommen -weil ich nur als Leitsymptome die Intrusion benannt habe - als Trias sollte aber genannt werden: Vermeidungsverhalten, Hyperarousal und intrusives Wiedererleben traumabezogener Inhalte. Mit dem nennen einer ganzen Reihen an Symptomen habe ich mich aber angeleitet von weiteren Fragen dort hingearbeitet - es war also auch wirklich wichtig zu zeigen, dass man sich im Thema bewegen kann.
4. Erzählen Sie wie sich Demenz zeigt.
Hier sollten die Merkmale einer Demenz geschildert werden und die unterschiedlichen Demenzen abgegrenzt werden. Tatsächlich wurde das aber schon nach Nennung von 4 Demenzen abgebrochen mit den Worten - ich sehe, da kennen sie sich aus.
5. Welche Affekte zeigen sich häufig in einer Demenz.
Hier ging es um Depressionen
6. Warum werden Menschen mit einer Demenz depressiv.
Auwei hab ich gedacht - jetzt geht es in die Neurologie. Ich habe dann über Schäden im Hirn und Neurotransmitter gesprochen - da hat er aber schon abgewunken mit den Worten - das ist Biologie, da will ich garnicht drauf raus
7. Warum werden Menschen, abgesehen von Veränderungen im Hirn, depressiv.
Tatsächlich wollte er hinaus auf die Veränderten Lebensumstände: Es geht dem Ende des Lebens zu, Sozialer Rückzug, Man kann nicht mehr so wie man will, Verlust von Menschen im gleichen Alter etc.
8. Abschließend sollte ich noch erklären, ob ich mit dementen Klienten arbeite.
Supportiv, in Apsprache mit dem Arzt war die richtige Antwort.
Anschließend wurde ich gebeten den Raum zu verlassen und nach 5 Minuten (gefühlt eine Ewigkeit) wieder hereingebeten.
Mit den Worten "Wir waren ganz zufrieden mit Ihnen" hat man mir dann gesagt, dass ich bestanden habe. Sie haben dann noch nachgefragt, was denn meine Pläne hinsichtlich therapeutischem Arbeiten und Praxis sind und mir gratuliert.
Alles in allem kann ich sagen - dass die Prüfer*innen sich sehr viel Mühe gegeben haben, einem den Druck zu nehmen und durch die Themen geleitet haben. Wichtig war ihnen, so habe ich das rausgehört, dass man zeigt, wo man mit seinen Gedanken gerade unterwegs ist, damit sie die Assoziationsketten nachvollziehen können.
Ich wünsche allen, die noch vor der Prüfung stehen, dass Sie bei Dir genau so viel Sicherheit empfangen können - wie Du Sie mir gegeben hast.
Liebe Grüße